"Die größten Kritikerinnen der Elchinnen sind selber welche."

Feministisches Manifest

11.04.2008
LISA

Liebe Frauen, liebe Genossinnen und Genossen,

den einen Feminismus gibt es nicht. Das Spektrum der Feminismen wird, nach Rita Süßmuth, gerade erweitertum den konservativen Feminismus einer Ursula von der Leyen. In ihm wandelt sich Frauenpolitik zur Familienpolitik und er bewirkt, ganz in der Logik des Neoliberalismus, eine tiefe Spaltung unter Frauen: Die einen verdienen, die anderen dienen. Im Feministischen Manifest skizziert LISA einen sozialistischen Feminismus. Er setzt die Veränderung der Geschlechterverhältnisse auf die Tagesordnung. LISA greift im Feministischen Manifest das Große Ganze an, den heutigen Kapitalismus aus der Perspektive von Frauen. Im globalisierten Kapitalismus schickt sich das Patriarchat an, die Herrschaft über Natur und Menschen zu vervollständigen, indem es alle Lebensäußerungen dem Markt unterwirft. Sein Element ist grenzenloser Profit in einer Kultur der Gewalt und des Krieges, von Machbarkeitswahn und Technikvernarrtheit. Dabei fragen wir uns und Euch: Braucht ein sozialistischer Feminismus diesen großen Bogen? Oder wäre es ausreichend oder sogar besser, sich darauf zu konzentrieren, dass Frauen unabhängig, selbstbestimmt, solidarisch und in Würde leben, dass sie respektiert werden wollen? Dass sie Halbe-Halbe fordern an Teilhabe und Mitentscheidung in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, in Erwerbs- und Sorgearbeit, Kultur, Bildung? Dass sie ganz und gar gegen jegliche Diskriminierung und Gewalt sind? Auf dem Weg der Frauenbefreiung gibt es große Erfolge und eine große Verunsicherung. Sind doch traditionelle Forderungen nach rechtlicher Gleichstellung erfüllt oder auf dem Weg, erfüllt zu werden; ist damit die „Frauenfrage“ erledigt? Ist Gender Mainstreaming das zeitgemäße politische Konzept und der Geschlechterwiderspruch ein mottenzerfressener Hut? Brauchen wir für die Neubegründung des Sozialismus noch den Feminismus?

LISA meint: Wie den Sozialismus, müssen wir auch den Feminismus neu begründen und ergründen – nach dem epochalen Zusammenbruch des realen Sozialismus und auf dem Weg zu einer Neuen Linken, auf dem DIE LINKE ein wichtiger, aber endlich nur ein Schritt ist.

Im Entwurf des Feministischen Manifests wird ein sozialistischer Feminismus skizziert, der gleichfalls ein feministischer Sozialismus ist. Anmaßung oder das Ende der Bescheidenheit? LISA selbst hat diese Frage noch nicht beantwortet, zumal wir uns um die Reife des vorgelegten Materials keine Illusionen machen. Politisch korrekt: Die größten Kritikerinnen der Elchinnen sind selber welche.

LISA will mit dem Feministischen Manifest einen Prozess anstoßen, Gesellschaft sozialistisch-feministisch zu kritisieren und zu verändern; zunächst als Selbstverständigung sozialistischer Feministinnen, unabhängig davon, ob sie in einer Partei organisiert sind oder nicht. Der Entwurf wendet sich zugleich an alle, die nach Antworten suchen zu den Beziehung von Geschlechterverhältnissen, revolutionärer Tagespolitik und Utopie und dabei skeptisch, kritisch sind sowohl gegenüber feministischer Theorie und Praxis, als auch gegenüber dem Anspruch, dass die LINKE nur links ist, wenn sie feministisch ist.

Geschrieben hat den Entwurf des Feministischen Manifests Christel Buchinger. Eingegangen sind Gedanken zahlreicher Autorinnen und Autoren und Gesprächspartnerinnen. Um den Manifest-Charakter zu wahren, wird auf Zitate und Literaturangaben verzichtet. LISA hat sich das Feministische Manifest in mehreren Debatten angeeignet und gibt es jetzt, bei auch grundsätzlicher Kritik in den eigenen Reihen, in die öffentliche Auseinandersetzung als Auftakt, nicht als Abschluss einer notwendigen Debatte. Uns interessieren alle Kritiken, zum Grundsätzlichen wie zum Einzelnen. An einigen Stellen des Feministischen Manifests bitten wir zudem nochmals ausdrücklich um Meinungen/Debatten. Die Diskussionen zum Feministischen Manifest wird LISA im Newsletter (Ein)würfe veröffentlichen, bevor sie zu einem späteren Zeitpunkt auf einem Kongress, einer größeren Veranstaltung in direkten Dialog miteinander treten werden.

Beiträge bitte an Christel Buchinger: christel.buchinger@t-online.de. Das ist auch die richtige Adresse für Bestellungen des elektronischen Newsletters (Ein)würfe.

LISA feministische Bundesfrauenarbeitsgemeinschaft der LINKEN

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