Ernesto Laclau gestorben

18.04.2014
Dr. Andreas Diers

Ernesto Laclau ist am 6. Oktober 1935 in Argentinien in Buenos Aires geboren worden, er starb im Alter von 78 Jahren am 13. April 2014 in der südspanischen Stadt Sevilla. Er war ein politischer Theoretiker, der sich selbst dem Postmarxismus zugerechnet hat und der die politischen Positionen des Poststrukturalismus sowie des Postfunktionalismus vertrat.

Ernesto Laclau war zuletzt emeritierter Professor für Politische Theorie an der „University of Essex“, wo er auch als Direktor des Doktorandenprogramms für Ideologie und Diskursanalyse für wirkte. Als Wissenschaftler hat Ernesto Laclau an zahlreichen Universitäten in Südamerika, Europa, Australien, Nordamerika und Südafrika unterrichtet.

Im Jahre 1958 wurde Ernesto Laclau Mitglied der „Partido Socialista Argentino“ (PSA). 1963 trat er der „Partido Socialista de la Izquierda Nacional“ bei, die als Splittergruppe aus der PSA hervorging. Bis 1968 war Laclau in der politischen Führung dieser Partei tätig. Er wirkte eine Zeit lang an der Wochenzeitung dieser Partei „Lucha Obrera“ mit. Im Jahr 1969 wurde Ernesto Laclau von Eric Hobsbawm eingeladen, nach Oxford zu kommen. Ernesto Laclau ist dieser Einladung gefolgt und verbrachte anschließend den größten Teil seines akademischen Lebens in Großbritannien.

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Chantal Mouffe veröffentlichte Ernesto Laclau im Jahr 1985 sein wichtigstes Werk „Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus“. Dieses für die marxistischen Diskurse grundlegende Werk erschien 1991 erstmals auf Deutsch. Die Rezeption dieses Werks beschränkt sich bislang wegen seiner Kritik an einem vermeintlichen marxistischen Ökonomismus oftmals auf seine post-marxistische Argumentationslinie. Doch entwickeln Ernesto Laclau und Chantal Mouffe in diesem Werk zum einen die Hegemonietheorie von Antonio Gramsci wesentlich weiter und beide formulieren zum anderen das Projekt einer radikalen und pluralistischen Demokratie. Dabei gliedert sich das Werk in einen hegemonie- und einen demokratietheoretischen Teil, wobei sich schließlich vor allem Chantal Mouffe der weiteren Ausarbeitung des Demokratie-Konzepts widmete. Ernesto Laclau schlägt einen abweichenden Pfad ein: u. a. in seinem Werk „New Reflections on the Revolutions of our Time“ systematisiert er seine Theorie der kulturellen Hegemonie und nimmt dabei starken Bezug auf Jacques Lacan. Dieser Einfluss ist insbesondere dem Zusammentreffen mit dem slowenischen Philosophen Slavoj Zizek zuzuschreiben. Neben der Hegemonietheorie und dem Konzept der radikalen Demokratie ist im Werk von Ernesto Laclau auch die Theorie der Diskursanalyse von Bedeutung, die über eine rein linguistische Analyse hinausgeht und die politische Signifikationslogik beschreibt.


Ausgewählte Publikationen von Ernesto Laclau

  • Politik und Ideologie im Marxismus. Kapitalismus, Faschismus, Populismus. („Politics and ideology in Marxist theory“, 1977); Argument-Verlag, Berlin 1981.
  • Die Politik als Konstruktion des Undenkbaren. In: kultuRRevolution. nr. 17/18, 1988, S. 54–57.
  • New Reflections on the Revolutions of our Time. (Phronesis); Verso Books, London 1990.
  • On Populist Reason; Verso Books, London 2005.
  • Emanzipation und Differenz. („Emancipation(s)“); Verlag Turia & Kant, Wien 2010.
  • Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus. („Hegemony and socialist strategy“); aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Michael Hintz und Gerd Vorwallner. 4. Auflage. Passagen-Verlag, Wien 2012.