Linkssozialismus. Ursprünge, Entwicklungen, Grundlinien.

Heft 1 der fds-Schriftenreihe

06.06.2011
Dr. Andreas Diers (Bremen)

Der Bundesvorstand des forum demokratischer sozialismus (fds) innerhalb der Partei DIE LINKE. legt hiermit das erste Heft der fds-Schriftenreihe vor. Die Schriftenreihe dient der politischen Bildungsarbeit in der gesamten Partei und der theoretischen Fundierung der strömungspolitischen Arbeit des fds.

Nur wenige Wochen vor dem Erfurter Parteitag der LINKEN auf dem der überarbeitete Entwurfs des ersten Parteiprogramms der immer noch jungen Partei DIE LINKE. zur Abstimmung steht, dokumentieren wir mit diesem Heft zwei umfangreichere Texte unseren Genossen Andreas Diers und werfen einen Blick auf eine der unsere Partei tragenden Wurzeln: den Linkssozialismus.

Im Zusammenhang mit der Fragestellung nach den historischen Wurzeln der Partei „Die Linke“ und deren programmatischen Positionierung wird der Linkssozialismus von PolitikerInnen der Partei heute allgemein als eine sehr bedeutende Traditionslinie der Konzeption des Demokratischen Sozialismus angesehen. Dabei ist es bislang wissenschaftlich jedoch durchaus noch umstritten, was unter Linkssozialismus verstanden werden kann, und ob der Linkssozialismus überhaupt als eine eigenständige Strömung innerhalb der sozialistischen Bewegung angesehen werden kann. Außerdem gibt es gegenwärtig auch noch keine Gesamtdarstellung der Entstehung sowie der anschließenden historischen und theoretischen Entwicklungen des Linkssozialismus.

Im Folgenden wird als Beitrag zur Klärung dieser Problematiken zum Einen der Versuch einer Bestimmung dahingehend unternommen, was unter dem Linkssozialismus verstanden werden kann. Zum Anderen wird in einem kurzen historischen Abriss mehr beschreibend als analysierend auch dargestellt, wie und warum der Linkssozialismus entstanden ist und wie er sich in einigen Ländern historisch entwickelt hat. Eine kritische Bewertung der jeweiligen historischen Entwicklungen des Linkssozialismus sowie eine Analyse und Berücksichtigung der ihnen wesentlich zu Grunde liegenden sozio-ökonomischen, historischen und politischen Gegebenheiten erfolgt hierbei nur am Rande.

Darauf aufbauend werden thesenhaft wesentliche aktuelle und allgemeine linkssozialistische politische Grundpositionen gekennzeichnet, wobei die grundlegenden Positionen der LinkssozialistInnen in den philosophischen, ökonomischen, historischen, juristischen sowie in anderen Bereichen aus Kapazitätsgründen unberücksichtigt bleiben müssen.

Die vorliegende überblicksartigen Untersuchungen und Darstellungen des Linkssozialismus sind dabei auf Deutschland, bzw. nach 1949 auf die BRD, auf Österreich sowie auf einige angrenzende Länder in „West“-Europa bis zum Jahr 1989 beschränkt. Die ebenso wichtigen und interessanten historischen sowie theoretischen Entwicklungen des Linkssozialismus in den anderen Ländern und die Entwicklungen ab dem Jahr 1989 unter angemessener Berücksichtigung der oben genannten Gegebenheiten bleiben weiteren Untersuchungen, sowie einer anzustrebenden Gesamtdarstellung vorbehalten.

Eine Darstellung des Linkssozialismus in Deutschland kann nicht auskommen ohne auf Wolfgang Abendroth, den wohl prägendsten Kopf links- bzw. demokratisch sozialistischer Politik, einzugehen.

Deshalb wird im zweiten Teil dieses Heftes anhand einer biographischen Skizze der Frage nachgegangen werden, was für die Linke als umfassendere gesellschaftliche Bewegung aber auch die Partei DIE LINKE. von Abendroths Leben und Werk sowie seiner Charakterisierung des Sozialismus als Demokratie auf allen Ebenen der Gesellschaft auch heute noch aktuell ist.

Welche Lehren können daraus für die gegenwärtigen Auseinandersetzungen hinsichtlich der Perspektive des Demokratischen Sozialismus in der Bundesrepublik Deutschland gezogen werden können.

Wir wünschen eine interessante Lektüre.

Die Herausgeber


[1] Siehe beispielhaft das Vorwort von Lothar Bisky in dem Sammelband von Klaus Kinner (Hrsg.): DIE LINKE – Erbe und Tradition. Teil 1: Kommunistische und sozialdemokratische Wurzeln; Berlin 2010.

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