Wirtschaftsdemokratie neu denken – Eine Herausforderung angesichts der neuen Weltwirtschaftskrise

Diskussionspapier von Dieter Scholz und Helmut Martens für das "FORUM NEUE POLITIK DER ARBEIT"

20.01.2011

Vorbemerkung der Autoren

Der Text "Wirtschaftsdemokratie neu denken – Eine Herausforderung angesichts der neuen Weltwirtschaftskrise" ist entstanden in Anknüpfung an vielfältige aktuelle Debatten im Rahmen
des Forums Neue Politik der Arbeit.
Ganz im Sinne dieses Dialogprojekts zwischen gewerkschaftsnaher Wissenschaft und außerwissenschaftlicher gewerkschaftlicher Praxis haben wir uns in gemeinsamer Autorenschaft darum bemüht, die Unterschiede des Zugriffs auf einen gemeinsam Gegenstand politischer und theoretischer Praxis produktiv zur Reibung zu bringen. Anregungen und konstruktive Kritik haben wir von vielen erhalten. Frieder Otto Wolf danken wir für zahlreiche Hinweise und eine kritische Lektüre des Manuskripts.

Auszug aus der Einleitung

Angesichts einer sehr wechselvollen achtzigjährigen Geschichte des Begriffs, in der er teilweise auch vollkommen bedeutungslos wurde, plädieren wir dafür, den Begriff „Wirtschaftsdemokratie“ angesichts der jüngsten Geschichte und aktuellen Lage radikal neu zu denken. Dies kann nur in einem kollektiven Arbeitsprozess von vielen geleistet werden – der sich den Inhalten der historischen Erfahrung des 20.Jahrhunderts stellt - und ist jedenfalls nicht als eine geradezu „messianische“ Leistung weniger Köpfe denkbar. Dieser Diskussions- und Arbeitsprozess hat offensichtlich begonnen aber er steht erst am Anfang und es gilt eine Vielzahl von Problemstellungen zu bearbeiten, wenn der Tiger des neuen Denkens nicht wieder einmal als Bettvorleger eines inzwischen sehr alten Common Sense im Rahmen der herrschenden Denkmuster enden soll. (...)

Wir setzen zunächst bei den gegenwärtigen vielfältigen Krisenentwicklungen an, bei Entwicklungen von denen wir zwar wissen, dass sie den Handlungsrahmen nationaler Gewerkschaften überfordern, die aber unabweisbar die Grundlage für alle weiteren Betrachtungen bilden (Kapitel 2). Wir stellen dann erste Fragen nach gesellschaftlichen Kräften und Potentialen gegen ein „Weiter so – (Kapitel 3) und auch hier ignorieren wir erst einmal schlichtweg die Handlungsgrenzen von Gewerkschaften, die jeweils spezifisch im historischen Kontext zu bestimmen sind. Danach versuchen wir unser Thema, ausgehend vom Begriff der „Neuen Wirtschaftsdemokratie“ (Martens 2010), einzukreisen und einen begrifflichen Rahmen zu skizzieren, von dem aus dieses Problemfeld weiter zu bearbeiten wäre. (Kapitel 4). Danach gehen wir auf diejenigen Anknüpfungspunkte für neue wirtschaftsdemokratische Ansätze ein, die sich aus unserer Sicht aus der Geschichte, insbesondere aus den Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung ergeben (Kapitel 5). Abschließend werden wir einige Überlegungen
dazu anschließen, wo heute ein widerständiges und alternatives Denken und Handeln gegenüber „dem stummen Zwang der ökonomischen Verhältnisse“ (Marx) - der heute systemtheoretisch eher als deren zwingender, geradezu naturgesetzlich gegebener Selbstlauf bezeichnet werden würde - ansetzen könnte und müsste (Kapitel 6). Wir beenden unsere Ausführungen dann mit einem knappen Resümee, das sich, den Schwerpunktsetzungen des Beitrags entsprechend, mit den Fragen gewerkschaftlicher Politik beschäftigt, wie sie im Kontext unserer Überlegungen in den Blick kommen. (Kapitel 7)

Das Papier steht nachstehend zum Download bereit.